Letztens hab ich ein Freizeitmagazin der Region für Familien in die Hände gekriegt.
Weniger interessant als die Freizeitangebote für die „gesamte Familie“ sind ja viel mehr Anzeigen für die Eltern.
Neben Aussagen wie „Danke Mama, jetzt kann ich endlich richtig lesen!“ (Papa hat mit der Lesekompetenz der Kinder anscheinend weniger zu tun) und „Kinder würden Bio kaufen“ (Von dem bisschen Kindergeld?) fand ich es auch sehr interessant, dass es anscheinend nichts schlimmeres zu geben scheint, als die noch in den wörtlichen Kinderschuhen steckenden Talente der Kleinen unentdeckt zu lassen.
Ein wahrer Aufruf wurde gestartet in einer Anzeige in der es heißt:
„Chance für Kinder mit künstlerischem Talent“. Eben. Wäre doch schade wenn die ganzen hochbegabten Künstlerkinder die an staatlichen Schulen Kunsttechnisch zugunsten des Computerunterrichts verrotten müssen ihr Talent, das anscheinend am ausgeprägtesten im Alter zwischen 9 und 13 Jahre ist (siehe Anzeige), vernachlässigen müssten.
Her mit den Kleinen Picassos!
Wer seine Eltern dennoch mit geschmierten Bildern und (trotz Nachhilfe, nach der man Mami dankt) lumpig geschriebenen Geschichten enttäuscht, hat laut diesem Magazin allerdings immer noch die Chance etwas aus seinem Leben zu machen.
Obwohl. Mit dem Eintritt in die Pubertät ist es ja anscheinend schon gelaufen. Außer man verirrt sich im besten Alter noch in diverse Casting Shows.
Wo wir auch schon bei der nächsten Anzeige wären. Eine „Schule“ bietet ihre Dienste um Kinder auf den rechten Weg zu bringen damit sie vor den Dieter Bohlens dieser Welt bestehen können.
Durch Tanzen, Schauspielen und Singen sollen aus den lieben Kleinen Rampensäue werden auf die dann Mutti und Vati in der Tat stolz sein könnten. „Raus in die Welt mit dir, meine Kleine. Hast doch fein Tanzen gelernt!“
Nützt bestimmt viel wenn das Kindlein trotzdem, oder gerade deswegen, nach unzähligen Sitzungen beim Schulpsychologen erkenne muss, dass die fröhlich Kinderzeit einfach weggetanzt werden musste.
Das man das „training for life“,wie es in der Anzeige so schön heißt, auch einfach durch Aufmerksamkeit innerhalb der Familie erreichen könnte, wird in diesem Heftchen nirgends erwähnt.
Vielmehr scheinen Probleme quälend zu sein, wie denn der nächste Kindergeburtstag zum absoluten EVENT werden kann. Mmmmh. Ist mein Kind eher ein „Tierischer Geburtstags-“, ein „Sportlicher Geburtstags-“, ein „Kreativer Geburtstags-“, ein „Natürlicher Geburtstags-“, „Filmischer Geburtstags-“ oder „Kultureller Geburtstags-“ Typ?
Tja. Man muss sich schon entscheiden welcher Eventagentur man den Geburtstag des Kindes anvertraut. Ohne natürlich selbst anwesend sein zu müssen.
Schrecklich.
Und das bezieht sich nicht nur auf die Zeitung.
Aber wie erkannten die Supremes doch schon in den 60er Jahren: „Baby, baby, where did our love go?!“ …..
Von „Love“ ist übrigens nirgends was zu lesen.

