Neues aus dem Pendlerzug.
Eigentlich ist es morgens um 7 noch viel zu früh für ein kleines Gehirn um Eindrücke aufzunehmen. Aber ich kann nicht anders.
Es sind ca. 25 Grad (was in etwa gefühlten 45 Grad entspricht).
Der mehr als baufällige Bahnsteig neigt sich voller arbeitswütiger Pendler Richtung einfahrendem Zug.
Niemand spricht.
Es scheint als sei es ein absolutes NoGo die Illusion eines ruhigen Morgens zu zerstören.
Aber dann…..
Er rollt langsam ein……
Der knuffige Pendlerzug.
Überfüllt von Leuten die schlauerweise einen Bahnhof früher zusteigen können.
Sie grinsen einem aus ungeputzten Fenster entgegen, und schon hat man irgendwie Schuldgefühle. Jetzt wo wir hier alle so arbeitswütig einsteigen zerstören wir quasi die Ruhe einer gemächlichen Bahnfahrt über Land.
Alles noch zu verkraften.
Dann….erstmal ohne dabei wie ein Idiot auszusehen versuchen die Türen aus dem letzten Jahrtausend möglichst geschmeidig zu öffnen. (Wobei mir einfällt: ein netter Mitpendler hat sich schonmal so voller Elan in die Türen gehängt, dass es ihn voll auf die Fresse gepackt hat. Aber man darf dann nicht lachen. So gehört sich das unter Pendlern)
Reingehen. Wie ein Profi aussehen.
Profis erkennt man übrigens überwiegend daran, dass sie entweder eine Tageszeitung unter dem Arm geklemmt haben, oder dass sie unentwegt in ihr Handy quatschen um vor der anstrengenden Bahnfahrt (von geschätzten 20 Minuten) noch mal klar zu stellen wo der Hammer hängt.
Platz suchen.
Ganz gewiefte Menschlein legen ja immer eine Tasche neben sich um auf keinen Fall den Eindruck zu erwecken der Platz neben ihnen wäre noch frei. Darauf also besonders achten! Und: trotzdem hinsetzen. So als kleiner Triumpf für den Tag sozusagen.
Was an diesem Morgen besonders schön anzusehen war:
Mir gegenüber saß ein häuflein Mensch das nur aus Haaren und wallender Kleidung zu bestehen schien. Also ganz klar: sehr schwer nicht hinzusehen. Und das ist SO anstrengend.
Der Zug holpert so vor sich hin. Man denkt: „Prima. Jetzt Gedanken schweifen lassen und möglichst nicht an den Zielort und seinen Erwartungen denken“. Denkste!
Die Dame mir gegenüber die nur aus Haaren besteht packt erstmal ihre Frühstücksbifi aus….! Ach wie nett! Nicht nur wegen der schmatzenden Geräusche die beim Verzehr einer Fabrikwurst unverzichtbar sind, sondern auch wegen des Brechreiz erzeugenden Geruchs der sich breit macht.
Trotzdem: Immer Profi bleiben. Immerhin bezahlt man für die tägliche Fahrt pro Jahr die Raten für einen Kleinwagen ab. Aber hätte ich den Kleinwagen: wo bliebe dann der Spaß?
Auf dem nächsten Bahnhof steigt dann ein Mann ein dessen Gattung ich gerne als „Stimmbandgeprüft“ beschreiben würde. Er ist natürlich in Begleitung einer Arbeitskollegin die dann wohl da durch muss (so wie der Rest des Wagons). Er übertönt sogar die schmatzend stinkenden BiFi Frau mit der Feststellung „Ach herrje, da ist ja alles voll sonst. Na dann setz du dich da mal hin und ich bleib stehen“. Ok, dass klingt jetzt weniger dramatisch.Eher ritterlich.
Aber: so bleibt es natürlich nicht. Denn kaum das Monsieur Stimmband gemerkt hat, dass er der einzige ist der redet wiederholt er die ganze Fahrt über einen Satz: „Jaaaa, ich hab ja ein Bahnabo für den Stehplatz gebucht. hö. hö. hö.“ Ohne scheiß. Er sagt wirklich: “ Hö. Hö.Hö“!
Sobald ein neuer verirrter verwirrter Pendler auch nur in die Nähe des Wagons kommt wird der Satz wiederholt. Auch obwohl das Lächeln seiner Kollegin bereits maskenhafte Züge angenommen hat. Da muss sie, wie bereits erwähnt, eben einfach durch.
Die letzten Stationen meiner Bahnfahrt verliefen entsprechend. Madame BiFi hat deren selbst DREI in sich hineinstopft und kann bestimmt abends gut schlafen, und Monsieur Stimmband hat SEINEN Satz gefunden.
Ich wette er steht noch immer in einem verwaisten Zug und sagt ihn vor sich hin. Alleine um alle anderen Lügen zu strafen.
Und Madame BiFi kommt Morgen vielleicht mit einem echten Frühstück angerollt um mit uns zu rollen. Vielleicht Instant Nudeln?
Pendler habens einfach nicht leicht!